Einer der lächerlichsten Tango-Begriffe, der mir in letzter Zeit häufiger begegnet, ist der „newclassic“ (bzw. „neo-klassische“) Tanzstil.
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Update: Den Artikel, auf den ich mich im Folgenden beziehe, gibt es im Original nicht mehr, er wurde „überarbeitet“.
Wer Klaus Wendels Blog halbwegs regelmäßig liest, hat gelernt, dass Tango waaahnsinnig kompliziert ist. Selbst vermeintliche einfache Bewegungen wie Gehen oder Ochos sind in Wahrheit derart komplex, dass „kaum jemand“ sie in Worte fassen bzw. erklären kann. Immer wieder möchte man ihm mit Wittgenstein zurufen: „Wovon man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen.“
Tango kommt ja auch in vielen Show-Auftritten bleischwer daher: Ernste, oft geschmerzte Mienen, Zeitlupen-Bewegungen und viel Stillstand bei schleppender Musik. Wie gut, dass es auch lustige Auftritte gibt.
Wenn es um Spaß beim Tanzen und Lebensfreude geht, denke ich als erstes an Miguel Ángel Zotto. Er ist nicht nur ein großartiger Tango-Tänzer, sondern beherrscht auch Rock’n’Roll. Alle Trauriger-Gedanke-Schlurfer, Geschmerzte-Miene-Latscher, Fuzzelschrittler und Am-Ort-Dreher aufgemerkt: So viel Spaß kann man beim Tanzen haben! Hier meine drei Lieblingsvideos:
Die Academia Nacional del Tango hat vor kurzem ihre Regeln (códigos) für Encuentros aktualisiert. Hier die wichtigsten Neuerungen:
Der folgende Text ist eine Übersetzung von Why leading and following actually work von Veronica Toumanova.
Hast du dich jemals gefragt, wie es möglich ist, dass zwei Menschen ihre Bewegungen so präzise auf die Tangomusik koordinieren, dass sie praktisch zu einem sich ständig verändernden Wesen werden? Hast du jemals eine besonders gekonnte Tangoaufführung gesehen und warst erstaunt, wie makellos die menschliche Verbindung in einem erfahrenen Paar werden kann, trotz der Geschwindigkeit, der damit verbundenen Risiken, des Stresses, der Improvisation, der schwierigen Tanzschritte? Hast du dich jemals über die Magie dieses Tanzes gewundert? Nach vielen Jahren im Tango haut mich dieses Verbindungsphänomen immer noch um. Und doch bringe ich Menschen jeden Tag genau das bei: Sich mit einem anderen Wesen zu verbinden, zu führen oder zu folgen, eins mit der Musik zu werden, die eigenen Körperbewegungen auf die Bewegungen einer anderen Person abzustimmen und gemeinsam zu improvisieren.
In diesem Beitrag soll es um Gefühle gehen, aber ausschließlich um die, die von der Musik ausgelöst werden, also nicht zum Beispiel Gefühle von „Verbundenheit“, die durch körperliche Nähe und gemeinsame Bewegung entstehen können. Um das Thema „Musik und Gefühle“ besser zu verstehen habe ich mich mit Musikpsychologie und Psychoakustik beschäftigt. Besonders anregend fand ich das Buch Das wohltemperierte Gehirn: Wie Musik im Kopf entsteht und wirkt. Alle nicht anders gekennzeichneten Zitate stammen aus diesem Buch.

Ich biete Privatunterricht für Singles und Paare an. Meine über 35-jährige Erfahrung als Sport- und Tanzlehrer garantiert einen strukturierten Unterricht mit vielen Wiederholungen in deinem / eurem individuellen Lerntempo. Mein Schwerpunkt liegt auf „musikalischem“ Tanzen (siehe hier und diesen Beitrag).
Warum wollen so viele TänzerInnen ausschließlich zur bald 100 Jahre alten Musik der „Epoca de Oro“ (EdO) der 1930er und 40er Jahre tanzen, wo es doch von den meisten Stücken moderne Einspielungen in hervorragender Tonqualität gibt? Immer wieder wird mir diese Frage gestellt und bis heute habe ich keine gute Antwort darauf. Auf der Suche nach Erklärungen habe ich interessante Anregungen in dem Buch Wut und Wertung – Warum wir über Geschmack streiten gefunden.
Wieviele unterschiedliche Klänge bzw. „Sounds“ (er)kennen typische Tango-TänzerInnen? Ich würde antworten DREI: Di Sarli („schöne Melodien“), D’Arienzo („flott, Staccato“) und Pugliese bzw. Piazzolla („schwer zu tanzen, ständige Tempowechsel und Dissonanzen“). Die ganzen restlichen Orchester kann kaum jemand unterscheiden: Donato, Tanturri, Firpo, Caló & Co, alle klingen gleich bzw. sehr ähnlich. Stundenlang bzw. bei Encuentros / Marathons gleich tagelang immer der gleiche Sound, das weitgehend gleiche (meist schleppende) Tempo und das ein ganzes „Tango-Leben“ lang. Tango – ein monotoner, langweiliger Gedanken, den man tanzen kann?