Tan­go es cami­nar“. (Tan­go ist Gehen.) / El tan­go se cami­na.“ (wörtl. Der Tan­go geht sich)

Bailar el tan­go es cami­nar como uno cami­na en la cal­le.“ (Tan­go tan­zen heißt, so zu gehen, wie man auf der Stra­ße geht.)

War­um kön­nen nur die wenigs­ten Män­ner so ent­spannt und locker tan­zen, wie man auf der Stra­ße geht bzw. noch bes­ser spa­ziert oder fla­niert? Oder genau­er gesagt: Wie man frü­her spa­zier­te bzw. fla­nier­te. Heu­te ren­nen die meis­ten ja nur noch mit Rund­rü­cken per­ma­nent aufs Han­dy glot­zend durch die Gegend.

Ein Grund sind die man­geln­den kör­per­li­chen Vor­aus­set­zun­gen und vor allem die schlech­te Hal­tung, über die ich bereits einen eige­nen Bei­trag geschrie­ben habe. Eine Fol­ge ist, dass kaum mehr jemand „nor­mal“ bzw. „rich­tig“ gehen kann.

Ver­nünf­tig wäre es jetzt, den Män­nern erst­mal wie­der nor­ma­les Gehen bei­zu­brin­gen. Wenn man die­ses Video lang­sam (am bes­ten mit 0.25x) abspielt und bei „Cont­act“ anhält, sieht man, dass beim nor­ma­len, locke­ren Gehen das vor­de­re Bein fast ganz gestreckt ist und der Fuß mit der Fer­se aufsetzt: 

Ent­spre­chend soll­ten Män­ner auch im Tan­go ganz nor­mal ihren Fuß über die Fer­se abrollen:

Die­se Art zu gehen, soll­test du regel­mä­ßig bewusst auch im All­tag üben: Ober­kör­per auf­recht, Hüfte/Becken in neu­tra­ler Posi­ti­on (NICHT nach vor­ne schie­ben), Füße par­al­lel (oder nur mini­mal aus­ge­dreht) und den Fuß weich über die Fer­se auf­set­zen und abrollen. 

Statt­des­sen erzählt man ihnen oft gleich zu Beginn, dass sie ihren Fuß flach oder (noch schlim­mer) mit dem Bal­len bzw. den Zehen auf­set­zen und viel­leicht auch noch den Fuß nach außen dre­hen und das Bein bewusst durch­drü­cken sollen: 

Noch schlim­mer wird es, wenn Män­ner ihr Gewicht nach vor­ne auf den Bal­len ver­la­gern und sich (im Milongue­ro / Api­la­do Stil) nach vor­ne an die Part­ne­rin leh­nen sol­len. Dann kann man über­haupt nicht mehr ent­spannt gehen, son­dern „fällt“ in den Schritt und trifft viel zu hart auf den Boden auf. Um nicht stän­dig Über­ge­wicht nach vor­ne zu bekom­men, kom­pen­sie­ren vie­le Män­ner, indem sie den Hin­tern nach hin­ten stre­cken („Enten­arsch“), die Hüf­te beu­gen und sich nach vor­ne zur Part­ne­rin leh­nen. Weil man in die­ser Hal­tung über­haupt nicht mehr nor­mal gehen kann, machen die Män­ner immer klei­ne­re Schrit­te bis sie irgend­wann nur noch an der Stel­le krei­seln. Das Ergeb­nis sind ster­bens­lang­wei­li­ge STEH­lon­gas, bei denen die meis­ten Paa­re kei­nen ein­zi­gen Meter vorwärtskommen.

Ein wei­te­rer Grund ist, dass Anfän­ger – anstatt erst­mal ent­spann­tes Gehen zu ler­nen – völ­lig unsin­ni­ge Schritt­fol­gen wie den „Grund­schritt“ (Paso basi­co / Bas­se) ler­nen. Ger­hard Riedl hat Das Kreuz mit der Bas­se bereits aus­führ­lich beschrie­ben. Außer den bereits beschrie­be­nen Nach­tei­len setzt sich durch die­sen Quatsch in den Köp­fen der Leu­te die Vor­stel­lung fest, dass man Tan­go auf der Stel­le tanzt, ent­we­der indem man ein recht­ecki­ges „Kastl“ abtanzt oder (noch spar­sa­mer) indem man nur noch ein biss­chen rechts- und links­rum dreht.