Tan­go es cami­nar“. (Tan­go ist Gehen.)

Bailar el tan­go es cami­nar como uno cami­na en la cal­le.“ (Tan­go tan­zen heißt, so zu gehen, wie man auf der Stra­ße geht.)

War­um kön­nen nur die wenigs­ten Män­ner so ent­spannt und locker tan­zen, wie man „auf der Stra­ße geht“? Oder genau­er gesagt: Wie man frü­her ging bzw. spa­zier­te. Heu­te ren­nen die meis­ten ja nur noch mit Rund­rü­cken per­ma­nent aufs Han­dy glot­zend durch die Gegend.

Ein Grund sind die man­geln­den kör­per­li­chen Vor­aus­set­zun­gen und vor allem die schlech­te Hal­tung, über die ich bereits einen eige­nen Bei­trag geschrie­ben habe. Ver­nünf­tig wäre es jetzt, die­sen Män­nern erst­mal wie­der nor­ma­les Gehen bei­zu­brin­gen. Wenn man die­ses Video lang­sam (am bes­ten mit 0.25x) abspielt und bei „Cont­act“ anhält, sieht man, dass beim nor­ma­len, locke­ren Gehen das vor­de­re Bein fast ganz gestreckt (aber nicht bewusst durchgestreckt) ist und der Fuß mit der Fer­se aufsetzt:

Ent­spre­chend soll­ten Män­ner auch im Tan­go ganz nor­mal ihren Fuß über die Fer­se abrollen:

Die­se Art zu gehen, soll­test du regel­mä­ßig bewusst auch im All­tag üben: Ober­kör­per auf­recht, Hüfte/Becken in neu­tra­ler Posi­ti­on (NICHT nach vor­ne schie­ben), Füße par­al­lel (oder nur mini­mal aus­ge­dreht) und den Fuß weich über die Fer­se auf­set­zen und abrollen. 

Eine beson­ders effek­ti­ve Übung ist es, bewusst „in Zeit­lu­pe“ zu gehen und den Schritt klar in zwei Pha­sen zu zer­le­gen. Zuerst streckst du nur das freie Bein nach vor­ne und berührst mit der Fer­se den Boden (Pro­jek­ti­on), belas­test aber noch nicht, son­dern hältst die­se Posi­ti­on ca. zwei Sekun­den lang. In der zwei­ten Pha­se drückst du dich vom hin­te­ren Bein ab und über­trägst das Gewicht. Wenn du möch­test, kannst du schlie­ßen und wie­der zwei Sekun­den auf einem Bein ste­hen. Ansons­ten das freie Bein wie­der lang­sam in die Pro­jek­ti­on füh­ren und den nächs­ten Schritt machen.

Wenn du das Gan­ze zu Musik machen möch­test, setzt du die Fuß­spit­ze auf der 1 auf, war­test bis zur 4, über­trägst das Gewicht auf der 5 und berei­test auf 6–8 die neue Pro­jek­ti­on vor. 

Ach­te dar­auf, dass der Fuß gera­de (oder mini­mal nach außen gedreht) auf­setzt. In vie­len Tuto­ri­als wer­den die Füße stark nach außen gedreht. Außer­dem heißt es oft, dass man den Fuß flach oder (noch schlim­mer) mit dem Bal­len bzw. den Zehen zuerst auf­set­zen und auch noch das Bein bewusst durch­drü­cken soll:

Die­se (affek­tier­te) Art zu gehen mag für Fort­ge­schrit­te­ne bzw. Show­tän­zer geeig­net sein, als Anfän­ger bzw. Hob­by­tän­zer wirst du auf die­se Art nie­mals locker und ent­spannt gehen können. 

Noch schlim­mer wird es, wenn Män­ner ihr Gewicht nach vor­ne auf den Bal­len ver­la­gern und sich (im Api­la­do Stil) nach vor­ne an die Part­ne­rin leh­nen sol­len. Dann kann man über­haupt nicht mehr ent­spannt gehen, son­dern „fällt“ in den Schritt und trifft viel zu hart auf den Boden auf. Um nicht stän­dig Über­ge­wicht nach vor­ne zu bekom­men, kom­pen­sie­ren vie­le Män­ner, indem sie den Hin­tern nach hin­ten stre­cken („Enten­arsch“), die Hüf­te beu­gen und sich nach vor­ne zur Part­ne­rin leh­nen und den Kopf nach vor­ne stre­cken. Weil man in die­ser Hal­tung über­haupt nicht mehr nor­mal gehen kann, machen die Män­ner immer klei­ne­re Schrit­te bis sie irgend­wann nur noch an der Stel­le krei­seln. Das Ergeb­nis sind ster­bens­lang­wei­li­ge STEH­lon­gas, bei denen die meis­ten Paa­re kaum mehr vorwärtskommen.