Ich bin immer wieder verblüfft, welche Bücher meine Kollegen in ihrem Unterricht behandeln. Ständig kommen in EnPaed Anfragen der Art: „Wer kennt das Buch XY und hat dazu vielleicht irgendwelche Materialien?“ Um nicht missverstanden zu werden: Natürlich ist es eine wunderbare Sache immer wieder neue Bücher zusammen mit Schülern zu entdecken und sich darüber auszutauschen. Wer genügend Zeit hat und wem es Spaß macht, ständig neue Sachen auszuprobieren, soll das natürlich gerne machen dürfen.
Jetzt hatten wir eine Woche lang einen 15-jährigen französischen Austauschschüler zu Gast – es war entsetzlich.
Gehörst du auch zu den Leuten, die bei der Korrektur von Stegreifaufgaben (= kurzen Vokabeltests) bzw. von Wortschatz- und Grammatikaufgaben in Schulaufgaben erst den eigentlichen Fehler markieren und ZUSÄTZLICH am Rand noch mal ein entsprechendes Symbol (z.B. waagerechten Strich für halben und senkrechten für einen ganzen Fehler) hinpinseln? Wozu diese Verdoppelung? Weil es alle anderen auch so machen? Weil du es im Referendariat so gelernt hast? Man lernt im Referendariat ja eine Menge, nur leider fast nie, wie man ÖKONOMISCH arbeitet.
Vor kurzem habe ich versucht eine junge Kollegin zu trösten. Sie hatte mit einem Grammatik-Lernzirkel völligen Schiffbruch erlitten. Sie hatte sich eine wahnsinnige Arbeit gemacht und stundenlang kopiert, geschnippelt, geklebt, beschriftet und laminiert. Sie hatte sich extra eine Kiste besorgt um die ganzen Materialien transportieren zu können. Sie hatte eine genaue Anleitung gegeben, wie das Ganze ablaufen sollte und hatte den Schülern auch ihre pädagogischen Intentionen – ganz im Sinne von Hilbert Meyers „intelligentem Üben“ – klargemacht.
Die folgende Glosse erschien heute in der SZ (S. 16). Sie passt gut zu meinen Gedanken über Disziplin, Regeln und Strafen. (Dank an Peter Ringeisen und Hans Loibl für den Text)
Verkehrte Welt
Normalerweise geht das Klagelied so: Lehrer beschweren sich über mangelnde Disziplin bei ihren Schülern, über Lärm und Respektlosigkeit, schlechte Erziehung und fehlende Lernlust. Eltern, heißt es in der Regel, wenn es um die „Schüler von heute“ geht, nähmen ihre Verantwortung nicht mehr ausreichend wahr, delegierten ihre Probleme mit den Kindern kurzerhand an die Schule, die dann sehen müsse, wie sie mit 34 schreienden, zappelnden, demotivierten Schülern pro Klasse zurechtkomme.
Da hat man endlich das heißt ersehnte Arbeitsblatt / den dringend benötigten Text / die seit langem versprochene Schulaufgabe im Fach liegen und dann – ich habe es geahnt – quer übers Papier „Gruß Wolfgang“ oder „Für Jochen, viel Spaß, Sabine“ oder sonstige, nett gemeinte Bemerkungen.
Die folgenden „10 Merkmale guten Unterrichts“ von Hilbert Meyer finde ich sehr nützlich um den eigenen Unterricht immer mal wieder zu reflektieren:
Passend zur Jahreszeit mal etwas Besinnliches von X.J. Kennedy:
Auf einer Website der Heinrich-Heine-Universität, Düsseldorf finden sich ausgezeichnete Materialien zur Filmanalyse. Neben einem (deutschen) Glossar und Folien zur Einführung in die Filmanalyse, gibt es auch einen Foliensatz zur berühmten Eingangssequenz von „Citizen Kane“.
Vor einigen Tagen kam mal wieder eins meiner Kinder mit einer Arbeit nach Hause, bei der nur ein Punkt zur besseren Note gefehlt hat. Der fehlende Punkt (zusammen mit einigen anderen Ungereimtheiten bzw. falschen Korrekturen) war – wie meistens – schnell gefunden, die Note musste heraufgesetzt werden. Das Ganze wäre nicht weiter bloggenswert, wenn es sich um einen Einzelfall gehandelt hätte. Leider kommt aber ständig eins unserer Kinder mit „knapp der schlechteren Note“ nach Hause und ich frage mich immer wieder, warum so viele Kollegen so blöd sind.