… ist der Titel eines interessanten Artikels von Andreas Kalt zum Thema „Effizientes Arbeiten“. Unter anderem geht es auch um den Kampf gegen „digistraction“, das es inzwischen auf immerhin 820 Google-Treffer bringt.
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… ist ein kurzes, bitterböses Video über die Gründe, warum einige Leute Lehrer werden wollen bzw. geworden sind. (Tipp von Martin Stübinger)
Wenn ich bei schönem Wetter auf der Terrasse korrigiere, kommt mein Lexikonhalter zum Einsatz:
… sind bei uns (in Bayern) nicht angesagte, höchstens 20-minütige schriftliche Prüfungen („kleine Leistungsnachweise“) über den Stoff der letzten zwei Stunden. Da ich im Durchschnitt drei Stegreifaufgaben (auch „Extemporalien“ bzw. „Exen“ genannt) pro Halbjahr schreiben lasse, sind eine schnelle Erstellung und effiziente Korrektur von großer Bedeutung.
Im Folgenden Tipps zum Konzipieren von Oberstufen-Klausuren, die sich in inzwischen 30 Berufsjahren bewährt haben.
Möglichst „zeitlose“ Texte
Eine nicht unerhebliche Zahl von Kollegen stellt an sich selbst offensichtlich den Anspruch in ihrem Unterricht (vor allem in Bezug auf Politik) stets auf der Höhe der Zeit und damit „top-aktuell“ zu sein. Obwohl man sich vor Augen halten sollte, dass man Englisch und nicht (Tages-) Politik unterrichtet, ist gegen diese Haltung grundsätzlich nichts zu sagen, so lange sie sich auf den Unterricht und begleitende Materialien wie Cartoons, aktuelle Texte etc. bezieht.
Ausgesprochen arbeitsaufwendig wird es jedoch, wenn dieser Anspruch auch für Klausuren gelten soll. Ich kenne Kollegen, die jedes halbwegs bedeutende (tages-)aktuelle Ereignis in Klausuren „verbraten“. Dieses Verfahren ist mit einem Haufen Arbeit verbunden. Es muss (meistens im Internet) recherchiert werden, Texte müssen auf ihre Eignung hin geprüft, bearbeitet und ggf. gekürzt werden. Fragen müssen entworfen und ein entsprechender Erwartungshorizont muss formuliert werden. Mit einem Text ist es normalerweise nicht getan, weil man sich ja auf Nachschreiber einstellen muss, so dass sich das Ganze wiederholt. All diese Themen sind jedoch von so begrenzter „Haltbarkeit“, dass man sie bereits nach zwei Jahren (wenn man z.B. wieder einen Oberstufenkurs hat) nicht mehr verwenden kann. Dann geht die ganze Arbeit wieder von vorne los …
Ich verfolge bei Klausuren eine völlig andere Strategie. Ich verwende beim ersten Mal falls nötig viel Zeit darauf zwei möglichst „zeitlose“ Texte zu finden, die ich auch noch in ein paar Jahren verwenden kann. Im Lauf der Jahre „tune“ ich meine Schulaufgaben immer wieder, indem ich während der Korrektur bereits Verbesserungen für das nächste Mal eintrage. Aufgrund der Tatsache, dass ich vergleichbare Arbeiten bereits korrigiert habe, tue ich mich natürlich auch bei der Korrektur wesentlich leichter. Ich kann nicht erkennen, warum jemand ein besserer Lehrer sein soll, nur weil er sich ständig einen Haufen Arbeit macht, die sowieso von niemand honoriert wird. Das soll nun natürlich nicht bedeuten, dass man jahrelang irgendwelche „ollen Kamellen“ durchnudelt und z.B. einen Text über Richard Nixon vorlegt. Es gilt Texte zu finden, die grundsätzliche Aspekte z.B. des amerikanischen Präsidenten behandeln ohne sich zu sehr in (zeitgebundenen) Details zu verlieren. Wie so oft, muss man am Anfang Zeit und Energie investieren um langfristig eine Menge Zeit und Arbeit zu sparen.
Falls du einen Text für eine Schulaufgabe suchst, solltest du zunächst in bewährten aktuellen Oberstufen-Büchern nachschauen. Die Texte sind bereits wortschatzmäßig und didaktisch aufbereitet, man hat bereits sinnvolle Fragen und (mit dem dazugehörigen Lehrerhandbuch) auch schon eine Musterlösung. Auf diese Art kann man sehr viel Arbeit sparen. Eine Fundgrube für Texte sind oft auch ältere Bücher wie z.B. New Context (Cornelsen) und ältere Ausgaben von Green Line Oberstufe. In jedem Fall solltest du mal in die Lehrmittelbücherei deiner Schule gehen und nachschauen, was dort an verstaubten Büchern rumliegt.
Genügend Punkte
Je weniger Punkte es insgesamt gibt, desto enger rücken alle Schüler zusammen und bei umso mehr Schülern fehlt nur ein oder ein halber Punkt zur nächstbesseren Note. Entsprechende Fragen bzw. Proteste sind somit vorprogrammiert. Aus diesem Grund achte ich auf eine ausreichend hohe Gesamtpunktzahl: Bei Schulaufgaben in Klasse 5–10 mindestens 60, in der Oberstufe mindestens 80 BE (= BewertungsEinheiten / Punkte).
Präzise Vorgaben
Wenn es darum geht Gründe, Stilmittel o.Ä. aufzuzählen, achte ich darauf präzise Vorgaben zu machen. Also nicht „Which stylistic devices does the author use?“. Erstens weiß der Schüler bei solchen vagen Aufgaben nicht, was er genau machen soll (nur die Fachbegriffe nennen, Wirkung beschreiben, Beispiele nennen?), zweitens tut man sich bei der Korrektur schwer, wenn der eine zwei Stilmittel und der nächste fünf beschreibt. Stattdessen: „Give three relevant stylistic devices and illustrate them with two examples each.” Durch die Einschränkung „relevant” müssen die Schüler zeigen, dass sie Wichtiges von Unwichtigem unterscheiden können (= Kriterium für Inhaltspunkte), „three“ bzw. „two“ garantiert, dass nachher alle ungefähr gleich viel haben und ich besser vergleichen bzw. bewerten kann. Falls sich jemand nicht an die Vorgaben hält, gibt es entsprechenden Abzug im Inhalts-Bereich.
Anzahl der Wörter vorgeben
Bei mir heißt es immer „Write about 250 words“ und nicht „Write about x sentences“. Das Wort „about“ ist dabei so zu verstehen, dass der Schüler sich eine typische Zeile nehmen soll, und diese Zeile mit der Anzahl seiner bereits geschriebenen Zeilen multiplizieren soll. Auf genau die selbe Art kann ich auch ziemlich schnell die ungefähre Wortzahl überprüfen, während das Zählen von Sätzen wesentlich länger dauert. Hinzukommt, dass viele Schüler bei vorgegebener Satzzahl anfangen Sätze zu „schinden“, indem sie aus einem normalen Hauptsatz mit Nebensatz zwei (stilistisch schlechte) Hauptsätze machen.
Falls ein Schüler mehr als die vorgegebene Wortzahl schreibt, macht das normalerweise überhaupt nichts, solange es halbwegs im Rahmen bleibt und er nicht anfängt zu schwafeln. Ich kann überhaupt nicht verstehen, warum eine ganze Reihe von Lehrer immer gleich Punkte abziehen, nur weil ein Schüler 10 Wörter mehr als erlaubt geschrieben hat. Völlig unsinnig finde ich deshalb auch Anweisungen wie „Count your words exactly“ (ist allerdings in einigen Bundesländern vorgeschrieben).
5/5 Punkte-Schema
Bei Schulaufgaben in der Oberstufe halte ich mich immer an das 5/5 Punkte-Schema, wie es auch im (bayerischen) Abitur angewendet wird. Danach gibt es für Inhalt und Sprache jeweils maximal 5 Punkte (Ausnahme beim Composition 4/6). Für einfache Fragen gibt es insgesamt 10 Punkte bzw. „Bewertungseinheiten“ (BE), für „normale“ Fragen 20 BE (5/5 x 2) und für schwierige (Interpretations-)Fragen 30 BE (5/5 x 3). Dadurch, dass ich immer im selben „Schema“ korrigiere bzw. „bepunkte“, fällt es mir relativ leicht mich zu entscheiden, ob ich jetzt 3,5 oder doch lieber 4 BE vergebe. Wenn ich (wie viele Kollegen) mit ständig wechselnden Punkteschemata arbeiten müsste (auf die eine Aufgabe gibt es max. 8 Punkte, auf die nächste 14, auf die dritte gleich 20 usw.), müsste ich mich immer wieder auf neue Zahlen einrichten und immer wieder neu ein „Gefühl“ für den Unterschied zwischen z.B. 7 und 8 Punkten bekommen.
Nur eine Gruppe
Ich entwerfe für Schulaufgaben grundsätzlich nur eine Version, dadurch tue ich mich bei der Korrektur leichter und habe auch keine Probleme mit Protesten, dass die Aufgaben der anderen Gruppe viiiiel leichter gewesen seien. Durch meine Sichtblenden ist Vom-Nachbarn-Spicken sowieso unmöglich. Gerade bei der ersten Arbeit falls nötig frühzeitig ein markantes Signal geben und bei exzessiven Quatschen die Arbeit abnehmen, dann hält sich das Gemurmel im Normalfall bei weiteren Tests in akzeptablen Grenzen.
Musterlösung
Grundsätzlich erstelle ich gleich beim Entwerfen von Schulaufgaben eine Musterlösung. Dies kostet zunächst einmal natürlich Zeit, die ich beim Korrigieren aber doppelt und dreifach wieder einspare. Die Musterlösung sollte inhaltlich und sprachlich ungefähr dem entsprechen, was man sich von einem guten Schüler erwartet, d.h. es sollte keine überzogene „Lehrer-Lösung“ sein (mit der die Schüler eh’ nichts anfangen können). Indem ich mich selber in die Schüler hineinversetze, erkenne ich noch am ehesten, ob meine Fragen präzise genug und von Schwierigkeit und Umfang her angemessen sind. Als Faustregel gilt, dass die Schüler für alles mindestens immer ein Drittel länger brauchen, als man ursprünglich angenommen hat, also lasse ich im Zweifelsfall lieber eine Frage/Aufgabe weg, wenn ich schon bei der Erstellung das dumpfe Gefühl habe, dass es mit der Zeit knapp werden könnte.
O. Heinz hat mir dazu geschrieben: „Statt bei der Rückgabe viel Zeit mit der „Besprechung“ der Schulaufgabe zu verschwenden (bei der meistens eh niemand zuhört), teile ich eine ausführliche schriftliche Musterlösung aus. Damit erreiche ich maximale Transparenz sowohl bei den Schülern als auch bei ihren Eltern.“
In Bezug auf Transparenz scheint mir das auch die optimale Lösung zu sein. Ein gravierender Nachteil ist jedoch, dass eine schriftliche Musterlösung kursiert und man die selbe Arbeit auf keinen Fall im nächsten Schuljahr wieder schreiben kann (was ansonsten meistens problemlos möglich ist). Selbst nach zwei Jahren kann es vorkommen, dass sich clevere Schüler die Musterlösung von irgendwoher besorgt haben. Insgesamt führt dieses Verfahren also zu deutlich erhöhtem Arbeitsaufwand.
Die Musterlösung zu allen Fragen und Aufgaben integriere ich als „ausgeblendeten“ Text direkt in die Arbeit. Ich arbeite also immer nur mit EINER Datei. Dieses Verfahren hat ganz erhebliche Vorteile. Näheres dazu hier.
… ist ein „portmanteau“ aus „digital“ und „distraction“. Dieses Wort gibt es (noch) gar nicht, ich habe es erfunden, weil es m.E. noch kein gutes Wort für das enorme Ablenkungspotenzial digitaler Medien gibt.
Eine der ewigen Fragen der Pädagogik: Darf ich — oder MUSS ich sogar vielleicht — die mir anvertrauten Schüler aufgrund meiner jahrhundertelangen Erfahrung und fortgeschrittenen Altersweisheit zu ihrem Glück zwingen? Darf ich ihr „autonomes“ Nein ignorieren, weil ich z.B. davon überzeugt bin, dass es nur auf einer Mischung aus Unwissenheit und Faulheit besteht?
„Lernerautonomie“ ist eine feine Sache:
Lernen wird als eine aktive Tätigkeit gesehen, die vom Lernenden selbständig durchgeführt werden muß. Der Lernende konstruiert sich sein Wissen aus den angebotenen Informationen – Lernen wird als „kreativer Konstruktionsprozeß“ gesehen. (Quelle)
Angefangen hatte alles im Januar, als wir (wieder mal) ein altes Abitur besprochen haben und die Schüler einen Aufsatz zu einem der Abitur-Themen schreiben sollten. Ein Großteil der Aufsätze war unter aller Sau nicht zielführend und aus handlungsorierentierter Sicht unbefriedigend. Daraufhin donnerte ich in der folgenden Stunde:
Lehrer-Perspektive: Hast du an der Schule auch ein begrenztes Kontingent an Kopien? Und ist dieses Kontingent bei dir auch immer Ende Mai schon erschöpft und du bezahlst die restlichen Kopien aus eigener Tasche? Falls ja, wird es Zeit darüber nachzudenken, wie du Kopien sparen kannst.
Wenn du nicht weißt, was ein „MO“ ist, musst du erstmal diesen Beitrag lesen.
Meine Schüler*innen können ihre MO Bilanz verbessern, dann lösche ich entweder einen Eintrag auf meiner Liste oder sie bekommen ein MR (minor reward), das einem MO entspricht, „gutgeschrieben“. Zu Beginn des zweiten Halbjahrs gibt es ein neue Liste und alle fangen wieder bei Null an, im ersten Halbjahr gewonnene und nicht „verbrauchte“ MRs werden aber als Bonus ins zweite Halbjahr übertragen.