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Absence Makes the Grades Grow Worse

Derzeit gibt es in Bayern hitzige Debatten über die hohe Durchfallquote (SZ) beim diesjährigen Abitur. Es wird nach Gründen gesucht und es werden Vorschläge gemacht, wie man die Durchfallerquote senken könnte. Beliebt wie eh und je ist die Forderung nach einer „neuen Lernkultur“ und nach mehr „eigenverantwortlichem Lernen“. 

Was allerdings NIE thematisiert wird, ist die absurd hohe Absenzenquote in der Oberstufe. Es sollen ja Gymnasien geben, in denen sich fast zwei Drittel aller Schüler im Laufe der Oberstufe für eine Attestpflicht „qualifizieren“. Wenn man weiß, wie oft man an vielen Schulen fehlen darf, bevor eine Attestpflicht überhaupt verhängt wird, kann man sich ausrechnen, wie selten viele Schüler überhaupt im Unterricht auftauchen. Mit der Schätzung, dass mindestens ein Drittel aller Schüler mindestens ein Viertel des Unterrichts versäumt, ist man, denke ich, auf der sicheren Seite.

Interessiert es aber überhaupt irgendjemand ernsthaft, wenn Schüler eigenverantwortlich beschließen einfach nicht zu erscheinen? Wird z.B. eine offizielle Statistik geführt so wie beim Unterrichtsausfall? Da müssen jetzt, um die Statistik zu fälschen verschönern auch Randstunden vertreten werden, obwohl die Schüler nach Hause gehen könnten, nur damit das dann als „Unterricht“ verbucht werden kann. Für Absenzen in der Oberstufe interessiert sich hingegen kaum jemand. Natürlich werden fleißig Listen geführt und abgeheftet, aber wann ist an deiner Schule zuletzt einem Oberstufenschüler ernsthaft wegen exzessiver Absenzen etwas passiert? Mit einer „gechillten“ Einstellung zu Absenzen kann man als Oberstufenbetreuer bei den Schülern punkten und den meisten Kollegen ist die (sehr wirkungsvolle) Ersatzprüfung viel zu aufwendig. Zur Not gibt man halt im Juli ein Attest ab, das rückwirkend alle Absenzen seit Mitte Februar entschuldigt …

Der „unmenschliche Stress“ und die „enorme Belastung“ der Schüler im G8 würde sich in den meisten Fällen deutlich reduzieren, wenn es eine „neue Anwesenheitskultur“ bzw. ein „eigenverantwortliches Dasein“ gäbe. Angesichts der hohen Absenzenquote ist die Durchfallquote beim Abitur eher niedrig.

Anspielung in der Überschrift …

35 Antworten auf „Absence Makes the Grades Grow Worse“

Ich denke auch, dass man da unterscheiden muss zwischen chronisch Erkrankten, die immer wieder ausfallen, akut Erkrankten, die längere Zeit fehlen und taktisch Erkrankten. Für letztere wäre eine Definition hilfreich, die festlegt, was eigentlich ein geregelter Schulbesuch ist.
Und es wäre vielleicht auch mal heilsam, wenn die Eltern für so ein nicht anerkanntes Schul (-absenzen-)jahr mal eben ein paar Sozialversicherungsbeiträge nach- oder das Kindergeld zurückzahlen müssten. Schließlich erhält man diese Vergünstigungen ja, weil man sich in Ausbildung (geregelter Schulbesuch) befindet.
Manche Schüler fehlen außerdem auch, weil sie anstrengende Nebenjobs haben, gerne auch am Wochenende, eine Erholungslücke, die man dann unter der Woche schließen muss.

@ joe

> Pois machen Schülern auch recht viel Spaß, kosten aber.

Nicht unbedingt: Wenn man normale Hanfseile hat, kann man die einfach halbieren. Das reicht für erste Versuche völlig aus (siehe: http://www.jochenenglish.de/?p=1008)

> Selber bauen geht auch. Bei Pois muss man sich allerdings nicht so oft bücken

Dafür kann man sie sich (z.B. Tennisball in Kniestrumpf) wunderbar an den Kopf knallen 😉

Zum Thema Attest:
ich hatte schon Atteste, die tatsächlich rückwirkend festgestellt wurden (Symptome à la Kopfschmerzen…). Das Gespräch mit dem Arzt darüber verlief er nichtssagend.
Außerdem sehr in Mode gekommen: Arzttermine von Schülern am Besten vormittags ausmachen, damit durch Bustransfer etc. wirklich die kompletten sechs Stunden ausfallen.
Vielleicht sollten die Fehltage einfach mit auf dem Zeugnis vermerkt sein, anstatt in den Akten?!

Frage an alle Kollegen: ab wie vielen Tagen ist die Attestpflichtqualifikation erreicht? Hat schon einmal jemand ein Attest eines Amtsarztes angefordert?

> Frage an alle Kollegen: ab wie vielen Tagen ist die Attestpflichtqualifikation erreicht?

Wichtiger als eine absolute Zahl sind denke ich typische Muster, wie z.B. Absenzen bei bestimmten Lehrern bzw. immer in denselben Stunden, gehäufte Absenzen in kurzer Zeit, ständiges Fehlen bei Klausuren bzw. (angedeuteten) Tests, vormittags (angeblich) sterbenskrank – nachmittags bei bester Gesundheit in Eisdiele gesichtet usw.

Wie, das gibt’s in Bayern? Schüler des G8, die Nachmittags in der Eisdiele auftauchen? Ich dachte, die würden Tag und nach NUR lernen, um den unmenschlichen Anforderungen des teuflischen G8 gerecht zu werden.

Das kann doch nur eine böswillige Unterstellung des sadistischen Lehrpersonals sein.

*Ironie aus.

> Hat schon einmal jemand ein Attest eines Amtsarztes angefordert?

Zumindest bei uns in München bringt das (außer Schikane) nach meiner Erfahrung gar nichts, die bestätigen immer die Diagnose des Facharztes. Wer hat schon Lust sich mit einem kompetenteren Kollegen anzulegen?

4. Warum ist mir dieses Problem noch bei keiner politischen Diskussion zum G8 entgegen gehalten worden?

Ich glaube nicht, dass die Absenzenquote direkt etwas mit dem G8 zu tun hat, aber dass die weit verbreitete Haltung „Tut mir leid, ihr armen, armen, armen Schüler, dass ihr dem schrecklichen Stress und Druck des G8 ausgesetzt seid!“ schon dazu führt, dass sich Schüler gerne mal einen freien Tag genehmigen. Weil sie ja so unter Druck stehen, oder ihnen die Umwelt das zumindest suggeriert.

5. Wie verlässlich sind Ihre Angaben?
anecdotal evidence, meine Erfahrungen sind ähnlich wie die der anderen Lehrer.

6. Die Krankenkassen belegen eine deutliche Zunahme psychischer Erkanrungen bei Jugendlichen – spielt das hier eine Rolle?

Ich habe i. d. Regel in einem Jahr 150 Schüler, psychische Erkrankungen, die diagnostiziert und uns bekannt sind und behandelt werden, haben 1-2 davon, in manchen Jahren keine(r).

7. Achtung Humor: Sind es nicht gerade die Sportlehrer, welche die Adipositas-Generation ins psychische Elend befördern?

Ich finde es ordentlich respektlos und auch falsch, von einer ganzen Generation als „Adipositas-Generation“ zu sprechen.

Aber psychisches Elend und Schulsport, ja da sehe ich eine gewisse Verbindung… ich sage nur „Schlagballwerfen“. 🙂 Übrigens habe ich an einer englischen Privatschule gesehen, dass die da ein richtig schönes Fitnessstudio haben, das die Schüler nutzen können und auch im Sportunterricht nutzen. Fand ich eine gute Idee, die Schüler, die wir fragten, offensichtlich auch.

Bin mal neugierig, was Sie einem Nicht-Lehrer antworten …
Dasselbe wie einem Lehrer. 🙂

> ich sage nur “Schlagballwerfen”.

Sobald man die jungen Damen mit brutalstmöglichen Druck dazu gezwungen hat, als Rechtshänderin das LINKE Bein nach vorne zu stellen, geht es meistens schon deutlich besser. Wenn dann noch der Wurfarm nicht einfach schlapp nach vorne klappt, sondern nach hinten ausholt, kommt nach etwas Übung meistens etwas wurfähnliches heraus 😉

Nee, die Natur hat uns Mädels einfach nicht zum Handgranatenwerfen bestimmt, das passt schon so.* 🙂
(Ich hab mal eine BBC-Doku zum Thema gesehen, wo glaubhaft versichert wurde, dass Frauen das Handgelenk anders halten/knicken, und so den Ball weniger weit schleudern als Männer. -> Schlapper Wurfarm?)

*völlig unzulässige biologistische Argumentation. Ich weiß.

Wir haben bei uns eine verbindliche schulinterne Regelung: Wer mehr als 2 Wochen pro Halbjahr in einem Fach fehlt (in E also mehr als 8 Stunden) muss eine verpflichtende Ersatzprüfung machen.
Nicht gezählt werden Exkursionen und andere Schulveranstaltungen, Ausnahmen gibt es natürlich auch, aber nur nach Rücksprache des Lehrers mit dem OSK und Direktor. Das ganze ist so etabliert und abschreckend, dass wir bei uns tatsächlich eher wenige Ersatzprüfungen haben, ich würde schätzen eher 0-2 pro Semester und Fach. Nicht alle KollegInnen halten sich daran, aber immerhin eine große Mehrheit.

Ich habe kein Problem damit, dass Mädels den Ball „weniger weit“ werfen, jämmerlich finde ich nur, wenn sie ihn in ca. 5m Entfernung vor sich in den Boden donnern. Genauso jämmerlich, wie wenn Jungen nicht mal passend zum Tempo der Musik auf der Stelle gehen, geschweige denn zwei Anstellschritte zur Seite machen können. 😉

Zu ergänzen:

>4. Warum ist mir dieses Problem noch bei keiner politischen Diskussion zum G8 entgegen gehalten worden?

Weil das nur die Lehrer als Problem sehen. Solange die Noten passen, hat niemand ein Problem. In der Statistik taucht das auch nicht auf. An Inhalten sind auch nur wenige der beteiligten Gruppen interessiert. Meist ist es halt so, dass man das als Lehrer auffängt, den Stoff wiederholt, Rücksicht nimmt und so weiter. Ohne Konsequenzen halt. Bis auf die generell dann eher schwachen Leistungen, die ursächlich aber nicht dem Fernbleiben zugeschrieben werden.

Das Abimotto an meiner Schule war dieses Jahr „Ab(i)wesend – für immer entschuldigt“. Begründet wird die Abwesenheit von den Schülern damit, dass das G8 so stressig sei, dass man halt blau machen müsse, um auf Klausuren zu lernen. Das glaube ich nicht. Der Großteil meiner Schüler ist auch tatsächlich sehr oft da.

Mein Eindruck vom diesjährigen Abi(-Doppel, Ba-Wü-)Jahrgang war eher „Generation Spaß“ als ‚wir müssen sooo viel lernen‘. Einen Großteil der inhaltlich sehr flachen Abi-Zeitung nahmen Stufenparty-Berichte ein (ansonsten war sie sehr dick – jeder der 268 musste natürlich seine individuelle Seite bekommen).
Seit Kollegen die Fehlzeiten regelmäßig in eine Datenbank eintragen und Tutoren dadurch frühzeitig intervenieren können (bis hin zur Androhung des Schulausschlusses) ist es etwas besser geworden. 0 Punkte für unentschuldigte Klausuren sprechen sich auch herum…

Ich habe als Lehrer (leider? zum Glück?) ein großes Problem damit, Schülerchens für versäumte Prüfungen „so richtig abzustrafen“…
Wenn ich sicher wüsste, dass jemand einfach keinen Bock gehabt hat, rechtzeitig zu lernen, und darum am Tag der Prüfung blaugemacht hat… Klar doch, dann saftige Ersatzprüfung, über sämtlichen behandelten Unterrichsstoff, vom Anspruch her auch nicht ohne.
ABER: Woher will ich denn wissen, ob jetzt die Nachholkandidaten einfach nur blau gemacht haben oder vielleicht wirklich krank waren? Nachdem in dubio pro reo auch in Gerichtssäälen gilt, finde ich, es sollte auch für unsere Schüler gelten. Wenn ich also jetzt nicht zufällig einen am Tag der Prüfung krankgewesenen Schüler am Abend in der Disco sehe, werde ich die Nachholschulaufgabe / Ersatzprüfung bestimmt nicht schwerer / umfangreicher machen, als die „originale“ Leistungserhebung. Und das, obwohl ich eigentlich weiß, dass wahrscheinlich schon mindestens 50% der Nachschreiber an der regulären Schulaufgabe hätten teilnehmen können, hätten sie denn gewollt…

> ABER: Woher will ich denn wissen, ob jetzt die Nachholkandidaten einfach nur blau gemacht haben oder vielleicht wirklich krank waren?

Richtig, kann man oft nicht wissen. Auf der anderen Seite gibt es aber auch schon schulbekannte „Pappenheimer“, die immer wieder auch bei Kollegen ganz gezielt fehlen bzw. besonders dreist in den ersten Stunden noch putzmunter sind und sich dann vor der Klausur befreien lassen. In solchen Fällen darf man dann schon mal signalisieren, dass man den naheliegenden Stoff leider bereits in der ersten Klausur verbraten hat 😉

Abstrafen möchte ich auch nicht, und die Ersatzprüfungen sind von mir auch nicht so gedacht. Wer nicht da war, aus welchen Gründen auch immer, hat Stoff verpasst und muss beweisen, dass er ihn kann. Mir wären generelle Halbjahresprüfungen ohnehin lieber als die vielen Prüfungen zwischendrin, die nur dazu führen, dass man den Stoff danach abhakt und vergisst.

Es geht bei der 0-Punkte-Regelung nicht um die versäumte Prüfung, sondern um die (oft damit verbundene) Dummheit, sich nicht fristgemäß entschuldigen zu können. Bei unentschuldigtem Fehlen muss kein Nachtermin angeboten werden.

Man muss allerdings sagen, dass abseits der verschenkten Atteste sich auch schon ein guter Teil des Missstandes beseitigen ließe, wenn man die übrigen Fälle konsequent behandeln würde. Aber der administrative Aufwand dafür ist enorm und vor allem für Vollzeitkollegen kaum zu schaffen.

Die Absenzenpraxis in der Oberstufe ist doch nur eine gute Vorübung für die kommende Anwesenheits- bzw. Abwesenheitspraxis an den Hochschulen. Ein Student, der sich regelmäßig blicken lässt, ist doch komplett aus der Mode. Dafür hat man doch ein Skript online und zuhause seinen Drucker. Viele Professoren kennen ihr Studenten doch nur noch von der Matrikelnummer. Studieren heißt nicht mehr Diskurs und Durchdringen einer Materie sondern bulimischer Input am Ende eines Semesters und dann Output in Form einer Klausur und Einheimsen der erforderlichen Creditpoints. Studienabbrecher dann bis zu 30%. Das sind unsere Akademiker der Zukunft. Aber die Herren Politiker in Bologna wollten es vor ein paar Jahren so. Durchjagen durchs Bildungssystem und schnell in die Rentenkasse einzahlen.
Armes (noch reiches) Deutschland.

> Ein Student, der sich regelmäßig blicken lässt, ist doch komplett aus der Mode.

Hmm, das lief bzw. läuft bei meinen Kindern an der Münchner LMU anders. Dort herrscht zumindest bei den Seminaren offiziell eine ziemlich strenge Anwesenheitspflicht. Wer im Semester mehr als 3x fehlt, hat (offiziell) nicht bestanden – habe aber nicht den Eindruck, dass das wirklich durchgezogen wird. Und die Studenten unterlaufen das Ganze natürlich, indem sie sich gegenseitig die Unterschriften fälschen und der Dozent checkt es nicht, weil er die Studenten nicht kennt oder weil es ihm egal ist. Aber trotzdem: Zumindest wird (im Gegensatz zur Schule) zunächst einmal Wert auf Anwesenheit gelegt.

@ Peter: Klingt ganz vernünftig, was Sie da antworten. Vielen Dank. Zu meiner Zeit (Abi89) gab es allerdings garantiert nicht 25 Prozent Absenzen bei einem Drittel der Schüler. Da muss sich ganz grundlegend etwas verändert haben.

Nur zufällig bin ich als Nicht-Lehrer über diese Website gestolpert.
Aber mir drängen sich als Vater einer Grundschülerin und auch aufgrund meiner beruflichen Tätigkeit folgende Fragen auf:
1. Warum gibt es so viele Absenzen?
2. Wird die die ärztliche Kunst in Frage gestellt bezüglich der Wahrhaftigkeit von Attesten?
3. Wie erklären die Schulpsychologen diese Entwicklung?
4. Warum ist mir dieses Problem noch bei keiner politischen Diskussion zum G8 entgegen gehalten worden?
5. Wie verlässlich sind Ihre Angaben?
6. Die Krankenkassen belegen eine deutliche Zunahme psychischer Erkanrungen bei Jugendlichen – spielt das hier eine Rolle?
7. Achtung Humor: Sind es nicht gerade die Sportlehrer, welche die Adipositas-Generation ins psychische Elend befördern?
Bin mal neugierig, was Sie einem Nicht-Lehrer antworten …

Antwort von einem Lehrer an den „Nicht-Lehrer“. 😉

1. Weil Schule Arbeit ist. Der Mensch ist von Natur aus faul. Nachdem Absenzen in der Schule so gut wie keine Konsequenzen nach sich ziehen, kann der Mensch bequem und somit zuhause bleiben. Habe ich als Oberstufenschüler und als Student auch so gemacht. Wenn ich jetzt zuhause bleibe, kriege ich erstens richtigen Ärger vom Chef, und zweitens bin ich jetzt nicht mehr nur für mich selber, sondern für meine Schüler verantwortlich. Aus diesem Verantwortungsgefühl für andere heraus bleibe ich als Lehrer nicht mehr zuhause. Als Schüler und Student blieb ich gerne mal zuhause.
2. Ich stelle da nicht die ärztliche Kunst in Frage. Es gibt genug „Krankheiten“, die man nicht mit irgendwelchen Labortests messen kann. (Ich denke da laienhaft mal an Rückenschmerzen, Kopfweh, Regelschmerzen bei den Mädels…). Außerdem ist der Patient beim Arzt immer auch noch „Kunde“. Ich kann es nun wirklich keinem Arzt verdenken, dass er dem Patienten das Kopfweh glaubt anstatt den Patienten davon zu überzeugen, dass der keine Schmerzen hat…
3. Welche Entwicklung? Blaumachen gab‘ es doch schon immer. 🙂 Ich habe nicht das Gefühl, dass meine Oberstufenschüler mehr blaumachen als ich es in meiner Schulzeit getan habe.
4. Weil das Ministerium keine rechtliche Handhabe hat. Wenn ein ärztliches Attest vorliegt, ist das ziemlich gerichtsfest. Herr Spänle würde sich lieber die rechte Hand abhacken, als zuzugeben: „Da gibt es einen Mißstand, aber ich kann nichts dagegen machen.“
5. Allesamt nicht statistisch ausgewertet, aber bitte glauben Sie uns Lehrern Herr Nicht-Lehrer, wir alle waren selbst Schüler, und unterrichten nunmehr in der Oberstufe. Wenn die Jugend von heute so „krank“ wäre, wie es der Krankenstand in den Klassenbüchern vermuten lässt, dann gute Nacht Deutschland. 🙂 Meine Generation war ja seltsamerweise auch ausgerechnet im Oberstufenalter besonders krank und ist mit Eintritt in das Berufsleben erstaunlicherweise genesen. 😉
6. Das ist schon möglich… Wobei, diejenigen Schüler, die es wirklich richtig schlimm erwischt, die fehlen dann eher mal monatelang… Die typischen Blaumacher erkennt man daran, dass sie mal da sind, dann weg, mal wieder da, dann weg… Ein paar Fälle von wirklich schlimmen psychischen Erkrankungen kenne ich, aber zumindest meiner (Berufs)erfahrung nach machen die nur einen ganz geringen Anteil der Absenzen aus.
7. Dazu kann ich jetzt wenig sagen, ich bin kein Sportlehrer und war in meiner Zeit als Sportschüler auch nicht adipös. Wenn wir Fussball spielen durften, habe ich Sport geliebt, ansonsten habe ich es gehasst (aber nicht so schlimm, dass es mich ins psychische Elende befördert hätte…).

> 3. Welche Entwicklung? Blaumachen gab’ es doch schon immer. Ich habe nicht das Gefühl, dass meine Oberstufenschüler mehr blaumachen als ich es in meiner Schulzeit getan habe.

Aber es gab doch die große Hoffnung beim Übergang vom G9 zum G8, dass sich die Zahl der Absenzen reduzieren würde, weil viele Schüler noch nicht volljährig sind und sich noch nicht selber entschuldigen können. Diese Hoffnung hat sich aber nicht bestätigt (war ja auch ziemlich naiv).

Peter hat die meisten Fragen bereits ganz in meinem Sinne beantwortet. Nur noch in aller Knappheit zu:

> 7. Achtung Humor: Sind es nicht gerade die Sportlehrer, welche die Adipositas-Generation ins psychische Elend befördern?

Das mit dem „psychischen Elend“ ist ja heutzutage so eine Sache. In das stürze ich ja schon manchmal Schüler, wenn ich ihnen ehrlich sage, dass z.B. 6 Minuten für zweieinhalb Runden (= 1.000 m) eine miserable Leistung sind und nach unseren Tabellen der Note 6 entsprechen. Viele Eltern (und auch einige Lehrer) sind ja auch inzwischen der Meinung, dass man Kinder mit solchen „brutalen“ Wahrheiten nur frustriert und ihnen die Lust am Sport nimmt (Näheres siehe „Noten im Sport“: http://www.jochenenglish.de/?p=948)

Auf der anderen Seite zeichnet sich m.E. moderner Sportuntericht dadurch aus, dass er ganz gezielt auch immer wieder der „Adipositas-Generation“ Gelegenheiten zu Erfolgserlebnissen bietet. Besonders geeignet sind dafür Sportarten, bei denen es in erster Linie um Koordination geht, wie Jonglieren und Tischtennis.

Erfolgserlebnisse in Sport wären doch auch durch Bleistiftweitwurf oder das beliebte Löffel-Ei-Balancieren zu erreichen.
Spaß beiseite: warum muss die Latte immer tiefer gelegt werden?

🙂
Ich bin kein Sportlehrer, aber wurde dieses Jahr etwas durch die Vorgaben zu den neuen Abschlussprüfungen irritiert, dort wurde der Notenschlüssel z.T. so gestreckt, dass man praktisch immer durchkommt mit etwas Glück.

Zum Jonglieren: Pois machen Schülern auch recht viel Spaß, kosten aber. Selber bauen geht auch. Bei Pois muss man sich allerdings nicht so oft bücken 😉

Es würde auch schon was bringen, wenn man die Regelung aus der Schulordnung konsequent umsetzt. Bei Schulaufgabe oder Referat oder anderen angekündigten Leistungsnachweisen gefehlt, Entschuldigung liegt nach drei Tagen nicht vor, also Note 6. Aber wenn man nur an so etwas denkt, wird man von der Schulleitung ja schon zurückgepfiffen und gemaßregelt, dass man so „brutal“ doch nicht sein darf. Ich hielte das aber für ähnlich wirkungsvoll wie deinen Vorschlag – auch in Kombination. 😉 Wozu gibt es eigentlich die Schulordnung? Vielleicht damit möglichst viele das Abi schaffen? Hmmmmmm…

Haben wir bei uns eingeführt, wird begrüßt. Das entscheidet auch nicht die Schulleitung. Die Eltern sehen das natürlich gemischt, auch zu recht. Trotzdem: Jetzt wird nur noch vor den Leistungsnachweisen gefehlt.

Volle Zustimmung, und Uneinigkeit unter den Kollegen. Ich hab emir auch – zugegeben, fürs nächste Jahr – mehr Ersatzprüfungen vorgenommen, auch in der 10. Jahrgangsstufe.

Die Krankheitstage der Lehrer werden als Statistik gemeldet, die der Schüler nicht. Komisch. „Macht die Schule unsere Kinder krank?“ kann ich mir toll als Schlagzeile vorstellen.

Falls diese Frage in den Medien aufgeworfen würde, hieße sie vielleicht eher: „Machen Lehrer unsere Schüler krank?“

Auch bei den Exen hat die SZ das so hingestellt, als würden wir aus Perfidie und Sadismus „auf unangekündigten Exen bestehen“, obwohl das Ministerium doch dringend davon abriete.

Ich werde die vorletzte Schulwoche damit verbringen, 9 von 20 Kursteilnehmern ersatzweise zu prüfen. Da sind welche dabei, die allein bei meinen drei Terminen die Woche 27 Fehlstunden zusammengebracht haben.

Das mit dem „eigenverantwortlich“ ist ja so eine Sache, da wir immer mehr Schüler haben, die bei Ablegen des Abiturs noch nicht mal 18 sind…

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