Die gute Nachricht gleich am Anfang: Um gut tanzen zu können, müssen deine Beine nicht so perfekt gestreckt sein, wie du es in den meisten Tutorials und Showauftritten siehst und wie es dir vermutlich ständig im Unterricht gesagt wird (Screenshot aus diesem Video):

Wenn du nicht schon dein Leben lang Ballett gemacht hast und die entsprechenden anatomischen Voraussetzungen mitbringst (Beweglichkeit des Oberschenkelkopfes im Hüftgelenk), wirst du diese vollständige Streckung eh niemals hinkriegen. Das macht aber auch überhaupt nichts, denn wenn wir miteinander tanzen, spüre ich nicht, ob deine Beine wirklich gestreckt sind. Was ich aber spüre ist, ob unsere Schrittlänge gleich ist, denn ich möchte nicht „schieben“ (deine Schritte sind zu klein), aber auch nicht „gezogen“ werden (deine Schritte sind größer als meine). Außerdem spüre ich, ob du „flüssig“ gehst oder ob es sich „hakelig“ anfühlt. Je mehr du dich auf die Streckung deiner Beine konzentrierst, desto „unrunder“ wird meistens dein Gehen.
Wichtiger als perfekt gestreckte Beine ist dein Gleichgewicht. Die beste Projektion nützt nichts, wenn du beim Gehen „schwankst“ und dich immer wieder an mir festhältst. Allgemeine Übungen zur Verbesserung des Gleichgewichts findest du hier.
Rückwärts-Gehen im Tango ist schwierig, deshalb solltest du es regelmäßig länger (mind. 10 Minuten) bzw. eine längere Strecke (mind. 100m) üben. Such dir dazu einen wenig benutzten Weg in einem Park, auf einem Friedhof etc. Wenn du allerdings gerne mit Leuten ins Gespräch kommt, übe dort, wo auch andere Leute sind – sie werden dich garantiert fragen, was du da Komisches machst. 😉
Dabei solltest du bewusst „in Zeitlupe“ gehen und den Schritt klar in zwei Phasen zerlegen. Zuerst nur das freie Bein nach hinten strecken (Projektion), aber noch nicht belasten und ca. zwei Sekunden halten. Achte darauf, dass der Fuß nur mit der Fußspitze aufsetzt und nicht schon halb auf den Ballen abgerollt ist (Screenshot aus diesem Video):

Achte außerdem darauf, dass der Fuß gerade (oder minimal nach außen gedreht) aufsetzt. In vielen Tutorials werden die Füße stark nach außen gedreht. Das wird zwar immer wieder als „elegant“ propagiert, belastet aber das Knie erheblich.
In der zweiten Phase drückst du dich vom vorderen Bein ab und überträgst das Gewicht. Wenn du möchtest kannst du schließen und wieder zwei Sekunden auf einem Bein stehen. Ansonsten das freie Bein wieder langsam in die Projektion führen und den nächsten Schritt machen.
Natürlich haben auch deine Schuhe großen Einfluss auf dein Gehen. Ich empfehle dir dringend erstmal mit relativ flachen Absätzen (ca. 3–4 cm) zu beginnen. Wenn du gleich mit (angeblich) „richtigen“ Tango-Schuhen anfängst, wackelst du noch viel mehr (vor allem wenn du sonst eher flache Schuhe trägst). Außerdem verändern hohe Absätze die ganze „Statik“ des Körpers, dein Becken kippt zum Beispiel nach vorne (was dann oft zu einem Hohlkreuz führt). Und last but not least belasten hohe Absätze den Vorderfuß enorm (vgl. dazu diesen Beitrag).
Das Vorwärts-Gehen wird in diesem Video sehr gut erklärt.
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