In diesem Beitrag beschreibe ich, wie sich mein Unterricht vom typischen Tango-Unterricht unterscheidet.
Der größte Unterschied ist, dass wir von Anfang an zur Musik tanzen. Im normalen Tango-Unterricht spielt die Musik oft überhaupt keine Rolle. Zwar dudelt irgendwas im Hintergrund, aber die Schritte / Figuren, die man gerade übt, haben nichts mit der Musik zu tun. Gleich in der ersten Stunde lernen wir die verschiedenen Tempi und die typische Struktur des Tangos, die sog. Phrasen kennen.
Alle Bewegungen / Schritte üben wir zunächst alleine zu einem Metronom bzw. zu Musik. Erst wenn man seine eigenen Schritte ausreichend automatisiert hat und sich nicht mehr zu stark darauf konzentrieren muss, kann der Mann Führungsimpulse geben und die Frau sie aufnehmen und umsetzen.
Danach tanzen wir in Übungshaltung (Frau fasst Mann an den Schultern) bzw. in offener Tanzhaltung. Erst nach viel Übung probieren wir es in enger Tanzhaltung.
Wir beginnen immer mit der Grundform (z.B. beim Ocho cortado kurz-kurz-lang) und lernen dann einfache Variationen. Neues kommt immer erst, wenn wir das bisher Gelernte entspannt tanzen können.
So weit wie möglich versuchen wir alles auf beiden Seiten bzw. in beide Richtungen zu tanzen. Wir lernen zum Beispiel das Kreuz auf beiden Seiten und drehen in beide Richtungen.
Nach dem Grundsatz „Ich kann nichts führen, wenn ich nicht wenigstens eine grobe Vorstellung davon habe, was die Frau eigentlich macht“ lernt der Mann auch „Frauen-Schritte“ (natürlich nur in der Grobform).
Alle Schritte lernen/üben wir zunächst im 4/4 Takt (Tango) und übertragen sie dann auf den 3/4 Takt (Vals). Erst wenn wir etwas sicher zu flotter Tango-Musik (wie z.B. Felicia) beherrschen, probieren wir es zu Milonga Musik.
Zu Beginn jeder Stunde wiederholen wir die Inhalte der letzten Stunde. Alles Neue wird mit bereits Bekanntem verbunden, so dass möglichst vielfältige Variationen bzw. Kombinationen entstehen. Im Lauf der Zeit entsteht so eine Fülle von „Bausteinen“, die wir variabel kombinieren können.
Tango-Unterricht ist oft völlig unstrukturiert und planlos. Jede Stunde wird irgendwas Neues gemacht, es wird viel zu wenig wiederholt bzw. geübt. Neues wird nur selten mit bereits Bekanntem verknüpft und es ist keine in sich logische Abfolge von Inhalten („Progression“) erkennbar. Im Folgenden mein „Lehrplan“ für Anfänger, also welche Schritte / Figuren ich in welcher Reihenfolge unterrichte. Entsprechende Videos gibt es in diesem Beitrag:
- Umarmung
- Führen & Folgen
- Gehen & Drehen
- Cunita/Wiegeschritt
- Kreuz
- Baldosa/Kachel
- Rebotes/Rebounds
- Ocho cortado
- Ochos
- Parada & Sandwich
- Caricia/Lustrada
- Barrida
- Giro/Molinete
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