Jochen Lüders

Modernen Tango lernen & tanzen

Shakespeare Sechsundsechzig

Im Rah­men eines Lyri­k­ana­ly­se-Semi­nars, das ich vor kur­zem an der Uni Mün­chen besucht habe, haben wir uns u.A. auch mit Shake­speares berühm­ten Son­net 66 beschäftigt:

Disziplin, Regeln und Strafen

Als Sport­leh­rer habe ich oft einen ganz ande­ren Blick auf alles was mit Dis­zi­plin, Regeln und Stra­fen zusam­men­hängt als die meis­ten ande­ren Kol­le­gen. Um die­sen Blick zu ver­an­schau­li­chen neh­me ich als Ana­lo­gie den Fuß­ball; nicht weil ich sel­ber so gro­ßer Fuß­ball­fan wäre, son­dern weil Fuß­ball am bekann­tes­ten und all­ge­mein gesell­schaft­lich akzep­tiert ist. Der Aus­gangs­punkt mei­ner Über­le­gun­gen ist der Ver­gleich eines Leh­rers mit einem Schieds­rich­ter.

Script for Sonnet 73

Vor ein paar Jah­ren hat­te ich in mei­nem LK einen visu­ell sehr begab­ten Schü­ler, der nach der Schu­le dann auch auf die Münch­ner Film­hoch­schu­le gegan­gen ist. Im Rah­men einer Ein­heit zu Film­ana­ly­se hat­ten wir uns vor allem mit Film­mon­ta­ge beschäf­tigt, u.a. mit Aus­schnit­ten aus Ser­gej Eisen­steins Pan­zer­kreu­zer Potem­kin und Orson Wel­les‘ Citi­zen Kane. Das Haupt­au­gen­merk lag des­halb auf Schnitt- bzw. Über­blen­de­tech­nik. Frei­wil­lig schrieb die­ser Schü­ler ein klei­nes Dreh­buch zu Shake­speares Son­net 73.

Stunden- und Spickzettel

Gehörst du auch zu den Kol­le­gen, die alles, was sie für eine Stun­de brau­chen, hand­schriftlich auf einem DIN A4 Zet­tel bei­sam­men haben? Da steht dann oben z.B. die Haus­aufgabe für die jewei­li­ge Stun­de, dar­un­ter viel­leicht wer aus­ge­fragt wer­den soll, dann kommt der eigent­li­che Stun­den­in­halt samt geplan­tem Tafel­bild und irgend­wo ist viel­leicht noch notiert, dass man von Huber noch die Schul­auf­ga­be und von Mei­er noch den Abschnitt des letz­ten Rund­schreibens braucht. Spä­tes­tens im nächs­ten Jahr kann man mit die­sem Durch­einander nur noch wenig anfan­gen, hand­schrift­li­che Ergän­zun­gen kann man nur noch mit Mühe (oder über­haupt nicht mehr) ent­zif­fern und irgend­wann beschließt man alles wie­der neu zu schrei­ben. Dann geht das gan­ze Spiel von vor­ne los. Zwi­schen­durch kommt einem immer mal wie­der der Gedan­ke, dass es doch auch irgend­wie ökono­mischer gehen könnte …

Zettel

Ich bin beken­nen­der „Zet­te­lia­ner“. Auch im Smart­phone-Zeit­al­ter sind Zet­tel für mich immer noch das Medi­um für die schnel­le Erfas­sung von Daten / Infor­ma­tio­nen aller Art. Im Fol­gen­den ein paar Grün­de, war­um ich mich so ger­ne verzettele.

Repetitio est mater successus

Im Fremd­spra­chen­un­ter­richt hat Üben lei­der schon seit län­germ einen schlech­ten Ruf. Ganz auto­ma­tisch asso­zi­ie­ren auch die meis­ten Leh­rer damit „mecha­nisch“, „stu­pi­der Drill“, „nicht moti­vie­rend“, „ver­al­tet“ etc. Des­we­gen wird ins­ge­samt ein­fach viel zu wenig geübt. 

Wortschatzarbeit in der Oberstufe

Die Wort­schatz-Kennt­nis­se von Schü­lern ent­wi­ckeln sich im Lauf der Ober­stu­fe oft depri­mie­rend. Nicht nur, dass sie oft nicht bes­ser wer­den, im Gegen­teil, nicht sel­ten ent­wi­ckeln sie sich zurück. 

Word Processing

Mei­ner Mei­nung nach soll­te ein Schü­ler spä­tes­tens in der Mit­tel­stu­fe über Grund­kennt­nis­se in Text­ver­ar­bei­tung ver­fü­gen. Lei­der schaut es da in der Pra­xis meis­tens zap­pen­dus­ter aus. Es ist immer wie­der lus­tig zu sehen, wie sich unse­re digi­tal nati­ves anstel­len, nur weil sie mal eine Über­schrift zen­trie­ren und in 20 pt for­ma­tie­ren sol­len. Eine Zeit­lang hat­te ich gehofft, dass sie das wenigs­tens im Infor­ma­tik­un­ter­richt ler­nen wür­den, aber zumin­dest mei­ne eige­nen Kin­der haben da alles Mög­li­che gelernt gemacht, nur nicht, wie man einen Text z.B. als Block­satz und mit 1,5‑Zeilenabstand for­ma­tiert. Des­halb füh­re ich schon seit vie­len Jah­ren mei­ne eige­ne klei­ne Ein­füh­rung in Text­ver­ar­bei­tung durch.

Referate

Vor kur­zem kam eines mei­ner Kin­der nach Hau­se und mein­te mit einem Stoß­seuf­zer: „Hof­fent­lich haben wir bald wie­der rich­ti­gen Unter­richt.“ Auf mei­ne Nach­fra­ge stell­te sich her­aus, dass mal wie­der die „speech sea­son“ begon­nen hat­te. Bis zum soun­so­viel­ten müs­sen alle Schü­ler ein Refe­rat hal­ten und weil es natür­lich eine ziem­lich gro­ße Klas­se ist und es durch Krank­heit, Stun­den­aus­fall etc. zu Ver­schie­bun­gen kommt, gibt es jetzt jede Stun­de min­des­tens ein, oft­mals zwei, wenn es ganz schlecht läuft sogar drei Refe­ra­te. Mein Nach­wuchs fin­det das „ätzend“ und „stink­lang­wei­lig“.  (Leh­rern geht es übri­gens oft genau­so)

Lust zum Lehren

… von Wolf­gang Butz­kamm (Ama­zon) ist mei­ne ganz per­sön­li­che Didak­tik-Bibel, die mei­nen Unter­richt wesent­lich geprägt hat.

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